Mein Team gehört zu den Gewinnern auf dem Techfest Munich Hackathon – Wie ist das denn passiert?

Artikel von Jenny Ludwig

Freitag früh befand ich mich in einem Pulk mit Rollkoffern und Schlafsäcken beladener junger Leute. Als wir den Veranstaltungsort erreichten, war ich mir immer noch nicht sicher, ob ich hier an der richtigen Stelle bin.
Hackathon, Techies, Biohacking, IoT, Halbleiter, Server, Netzwerke, Mikrocomputer – 2 Tage arbeiten und dann pitchen und diesmal als Teilnehmer. Als Organisator von Makerevents stehe ich sonst immer auf der anderen Seite.

Die Makercommunity braucht Designer

Natürlich betonen wir bei unseren Veranstaltungen, wo wir nur können, die Wichtigkeit von  Design für die Makercommunity. Dass benutzerzentrierte Ansätze aus einem Makerprojekt ein Produkt mit Zukunft machen. Dass die Makerszene Interdiziplinarität, Interaction Designer, Industriedesigner, Künstler etc. braucht, um den Geist des Möglichen in menschenfreundliche Anwendungen zu transferieren, die über technische Spielereien hinauswachsen und wirkliche Veränderungen bringen. Aber es ist ein Unterschied darüber zu sprechen oder jetzt hier als Nichtcoder  unter 300 Techies zu stehen und ein Team finden zu müssen. Wahrscheinlich ein Grund warum sich viele Gestalter nicht auf solche Veranstaltungen trauen.

Impression vom TECHFEST Munich

Ich habe mich für den Biohacking Track von AstaZeneca entschieden, weil mich das Thema interessiert. Der Track wurde von Rüdiger Trojok & Jérôme Lutz ( bioflux.euopentrons.com, synbio.info) organisiert. Der Workshop vor ein paar Monaten von Marc Dusselier zu Selbstbau Laborgeräten (hacktetia.org/ GaudiLabs) hat mir die Augen geöffnet. Das ist keine Raketenwissenschaft sondern Biologie und Chemie und sie umgibt alle Lebenwesen jedes Sekunde unseres Lebens und sie gehört uns allen. Mein Arbeitskollege muss nun seit einer Weile Neuigkeiten zu Pilzen und der Kombucha-Leder Zucht in meinem Badezimmer ertragen.

48 Stunden Erfahrungen sammeln

An diesem Wochenende habe ich wirklich Wertschätzung für meine Profession erfahren. Nicht am Rande als Designer etwas aufzuhübschen, sondern als Teil eines Team eine Entwicklung mitzugestalten. Offen und auf gleicher Ebene. Keiner aus unserem 5er Team kannte sich vorher und wir alle sind keine Chemiker, sondern ein Physiker, Informatiker, Wirtschaftsingenieur, Biologe und Industriedesigner/Marketing. Wir haben einfach alle zu den Problemen im Chemielabor befragt und mit dem besten der vier Lösungansätze angefangen, die wir gefunden haben. 45 Stunden nach unserer ersten Begegnung hatten wir einen funktionierenden Prototyp, Code, einen Film, eine Präsentation mit Rollenspiel und wenig Schlaf. Und damit haben wir fünf völlig überraschend den AstraZeneca Track des TECHFEST der UnternehmerTUM gewonnen. Überraschend weil es acht andere Team gab mit Fast Foreward Science Themen wie automatischen Experimentierstationen auf Tropfengröße oder Genentschlüsselung mit dem Roboter.
In der Zwischenzeit konnte ich sämtliche Opensource Laborgeräte (OpenTron oder OpenDrop) ausprobieren, habe viele Menschen kennengelernt, tagsüber pipettieren  und was über gute Bühnenpräsentation gelernt und nachts meinen ersten Film geschnitten. Mein Team ist einfach toll gewesen. Im Lab hat jeder jedem geholfen, egal ob ein Bauteil muckte, ein Prinzip zu verstehen war, Code gefragt war oder Lebenmittelfarbe gesucht wurde.

Biohacking Lab und Team TwoFace

Was ich mitnehme.

Designer traut euch auf die Hackathons. Teamarbeit, Offenheit, Konzept hinterfragen und eine gute Vermittlung der Idee ist am Ende des Tages entscheidender als Raketentechnik. Und genau da werdet ihr gebraucht mit eurer Erfahrung. Ihr werdet hier wertgeschätzt. Und ihr braucht die anderen, um zu verstehen, wie die Welt von morgen funktionieren könnte und welchen Part ihr darin spielen möchtet. Keiner ist das, was er/sie studiert hat, sondern wesentlich mehr – ein Entdecker. Lass euch auf einem Hackathon überraschen – von Euch selbst.

Danke an: Ben Caller, Michael Höh, Julian Chollet, Tobias Brockmeyer vom Team Twoface.

Mehr zum Projekt Two Face

Chemical laboratories did not change a lot in the last century. In contrast to biological research, most of the time consuming work is still done manually and relatively large quantities have to be used. The 3 main challenges for a modernization are: Scaling down, automation and integration of sensor technology.

Our project addresses all 3 challenges, solves a real life problem of every chemist and was successfully tested on realistic chemical compounds. We chose one of the most time consuming and labor intensive work step of chemical synthesis: Phase separation has to be monitored by eye, the completion of the process is evaluated by means of intuition and the desired phase has to be removed manually.
Detaillierte Darstellung des Projektes Two Face auf Devpost

Gratulation auch an die anderen Gewinnerteams des Biohacking Tracks. Team P^3 hat auch den Preis der Sonderpreis der TU München gewonnen.
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